81. Hier kommen Kellner,... «Das Narrenschiff»

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    Die_faule_Leserin
    18 июня 2018

    81.

    Hier kommen Kellner, Köch', Ehalten,  All, die des Hauses Sorg verwalten  Und redlich in dem Schiffe schalten.

    Von Köchen und Kellermeistern

    Ein Bötlein uns eben vorüberlief,  Das fragte nach dem Narrenschiff,  Dem gaben wir versalzne Suppen,  Daß er das Fläschlein wohl möcht luppen;  Wie schnell ist er davongeflogen,  Das Fläschlein hat er oft gezogen,  Wir wollten ihm ein Brieflein geben,  Doch er tät eilig weiterstreben.  Wir kommen wohl auch so zurecht,  Kellner und Köche, Magd und Knecht,  Die in der Küche zu schaffen haben.  Wir tragen auf nach Kundschaft und Gaben,  Draus kein Bedenken uns entsteht,  Aus unserm Säckel es nicht geht;  Zumal, wenn unsre Herrschaft aus  Und sonsten niemand ist im Haus,  Dann schlemmen wir und tabernieren,  Auch fremde Prasser heim wir führen  Und geben da gar manchen Stoß  Den Kannen, Krügen, Flaschen groß.  Wenn nachts die Herrschaft geht zur Ruh,  Und Tor und Riegel sind fest zu,  Dann trinken wir nicht vom schlechtesten Naß  Und zapfen aus dem größten Faß,  So kann man es so leicht nicht spüren.  Ins Bett wir dann einander führen,  Doch ziehen wir zwei Socken an,  Daß uns der Herr nicht hören kann,  Und hört man dann doch etwas krachen,  Wähnt man, daß es die Katzen machen.  Alsdann nach einer kleinen Frist,  Vermeint der Herr, daß ihm noch ist  Im Fäßlein mancher gute Trunk,  So macht der Zapfen: glunk, glunk, glunk!  Das ist ein schlimmes Zeichen, daß  Nur wenig mehr ist in dem Faß.  Sodann wir fleißig darauf achten,  Daß wir zurichten viele Trachten  Und damit Lust und Magen reizen,  Mit Kochen, Sieden, Braten, Beizen,  Mit Rösten, Backen, Pfefferbrei;  Mit Zucker, Gewürz und Spezerei  Bereiten Trank wir und Gericht,  Daß an der Stiege sich mancher erbricht,  Oder er muß es von sich purgieren  Mit Sirupen und mit Klistieren.  Drob machen wir nicht viel Geschrei,  Werden wir doch selbst voll dabei,  Da wir uns selber nicht vergessen:  Das Beste aus dem Topf wir essen;  Denn würden wir auch vor Hunger sterben,  Es hieß doch, das Schlemmen tät uns verderben.  Der Kellner spricht: »Brat mir 'ne Wurst,  Herr Koch, so lösch ich dir den Durst!«  Der Kellner ist des Weins Verräter,  So ist der Koch des Teufels Bräter,  Hier wird er gewohnt das Küchenfeuer,  Drum scheints ihm dort nicht ungeheuer,  Kellner und Köche sind selten leer,  Sie tragen auf und mühn sich sehr:  Zum Narrenschiff steht ihr Begehr.  Als Joseph nach Ägypten kam,  Der Köche Fürst ihn zu sich nahm,  Und Zion gewann Nabursadam.

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