33. Wer durch die Finger... «Das Narrenschiff»
Die_faule_Leserin18 июня 201833.
Wer durch die Finger sehen kann Und läßt die Frau einem andern Mann, Da lacht die Katz die Maus süß an.
Vom Ehebruch
Ehbrechen wägt man so gering, Als ob man schnellt' einen Kieseling. Ehbruch hat jetzt des Gebots nicht acht, Das Kaiser Julius gemacht. Man scheut jetzt Straf noch Tadel nicht, Das macht, die in der Ehe Pflicht Zerbrechen Krüge und Töpfe gleich Und: »Schweig du mir, so ich dir schweig!« Und: »Kratz du mich, so kratz ich dich!« Man kann die Finger halten sich Vors Auge so, daß man doch sieht, Und wachen bei geschlossenem Lid – Man kann jetzt leiden Frauenschmach, Es folgt nicht Straf noch Rache nach. Stark ist im Land der Männer Magen, Viel Schande können sie vertragen Und tun, was ehmals Cato tat, Der dem Hortens die Frau abtrat. Gar wenigen gehn jetzt zu Herzen Aus Ehbruch Leid und Sorg und Schmerzen, Wie die Atriden straften mit Recht, Da ihre Frauen man geschwächt, Oder wie Collatinus tat, Als man Lukrezia Schmach antat. Drum ist der Ehbruch jetzt so groß, Auf allen Straßen ist Clodius los. Wer jetzt mit Geißeln die wohl strich', Die wegen Ehbruchs rühmen sich, Wie man Salustio gab Lohn – Trüg mancher Striemen viel davon. War solche Strafe für Ehbruch da, Wie Abimelech einst geschah, Sowie den Söhnen Benjamin Oder würd ihm solcher Gewinn, Wie David geschah mit Bersabe – Mancher würd brechen nicht die Eh'. Wer leiden kann, daß sein Weib sei Im Ehbruch, und er wohnt ihr bei, So er das weiß und sieht den Trug, Den halt ich wahrlich nicht für klug. Er gibt ihr Ursach mehr zum Fall; Dazu die Nachbarn munkeln all, Er hab mit ihr teil und gemein, Und ihre Beute sei auch sein. Sie sprech zu ihm: »Hans, guter Mann, Dich seh ich doch am liebsten an!« – Die Katz den Mäusen gern nachgeht, Wenn sie das Mausen erst versteht: Die andre Männer hat versucht, Wird also schandbar und verrucht, Daß Ehr und Scham sie nicht mehr achtet, Nach ihrer Lust allein sie trachtet. Ein jeder schau, daß er so lebe, Daß er der Frau nicht Ursach gebe; Er halt sie freundlich, lieb und schön Und fürcht nicht jeder Glock Getön, Noch keif er mit ihr Nacht und Tag, Und schau doch, was die Glocke schlag. Dann laß dies treuer Rat dir sein: Führ nicht viel Gäste bei dir ein! Vor allen schaue der genau, Wer hat 'ne weltlich hübsche Frau, Denn niemand ist zu trauen wohl, Die Welt ist falsch und Untreu voll. Es blieb die Frau dem Menelaus, Wenn Paris nicht kam in das Haus; Hätt Agamemnon den Aegisth Nicht zu Haus gelassen, wie ihr wißt, Und ihm vertraut Weib, Hof und Gut, Er hätt verloren nicht sein Blut, Gleichwie Kandaules, der Tor so groß, Der zeigte sein Weib einem andern bloß. Wer Freude nicht will haben allein, Dem geschieht ganz recht, wird sie gemein; Drum soll man halten das fürs Beste, Wenn Ehleut nicht gern haben Gäste, Zumal denen nicht zu trauen ist: Die Welt steckt voll Betrug und List! Wer Argwohn hat, der glaubt gar bald, Man tue, was ihm nicht gefallt, Wie Jakob mit dem Rock geschah, Den er mit Blut besprenget sah; Ahasverus dachte, daß Haman meinte Esther zu schänden, der doch weinte; Um seine Frau einst Abraham bangte, Bevor er nach Gerare gelangte. Besser ein Knauser in seinem Haus, Als fremde Eier brüten aus. Wer viel ausfliegen will zu Wald, Der wird zu einer Grasmücke bald. Wer brennende Kohlen im Schoße trägt Und Schlangen an seinem Busen hegt Und in der Tasche zieht eine Maus – Solche Gäste nützen wenig dem Haus.
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